Gegründet wurde das Dorf vermutlich um 900 n.Chr. Die älteste Urkunde, in der von Kürzell die Rede ist und deren Echtheit bewiesen ist, stammt aus dem Jahr 1136. Interessant sind die verschiedenen Schreibweisen des Namens Kürzell, die im Laufe der Jahrhunderte verwendet wurden: Kyrtzell, Kürtzel, Kertzel, Kürtzlen, Kirchzell, Kirczell, Kircelle, Kirchcelle.

Aus den verschiedenen Urkunden geht hervor, dass ursprünglich Mönche des Klosters Schuttern eine Kirche mit einer Zelle errichteten. Dadurch, dass sich dann später auch andere Bewohner ansiedelten, entstand das Dorf.

Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass einst drei Dörfer im Halbkreis um Kürzell lagen. So war die über 400 Jahre alte »Zigeunerlinde« im südwestlichen Gemarkungsbereich an der heutigen B 36 einst der Mittelpunkt des Dorfes »Meroldsweiler«. Alle drei Dörfer verschwanden jedoch um 1600 wieder.

Die Chronik berichtet, dass im Jahr 1338 riesige Heuschreckenschwärme in die Ortenau einfielen und alles kahl fraßen. Nur zehn Jahre später verwüstete ein schweres Erdbeben den Oberrheingraben. Wie die ganze südliche Ortenau, so stand auch Kürzell anfangs unter der Herrschaft des Hauses Geroldseck. Später kam Kürzell in die Besitzungen des Grafen von Nassau.

Aufgrund zahlreicher sozialer Missstände und Unterdrückung des armen Volkes durch die Obrigkeit kam es 1525 zu einem großen Bauernaufstand. Nach nur kurzer Phase der Beruhigung folgte eine mehr als 200jährige Periode von Kriegsleiden und Wellen der Vernichtung, die aus der Ortenau schier eine Wüste machten. Hungersnöte, Seuchen und Gewalt rafften die Bevölkerung dahin. So zählte Kürzell im Jahr 1627 gerade noch 50 Einwohner.

Unermesslich war auch der materielle Schaden. Bei Kriegsende besaß Kürzell noch ein einziges Pferd, wodurch ein Bewirtschaften der Felder fast unmöglich war. Kaum waren die ärgsten Kriegswunden verheilt, kamen erneut schlimme Jahre. Die Geldknappheit wurde immer größer und die Landwirtschaft hatte durch überschwemmungen von Rhein und Unditz erhebliche Einbußen. Ungeahnte Ausmaße erreichten Not und Hunger im Jahr 1848.

Zwangsverkäufe von Grundstücken zu Schleuderpreisen waren keine Seltenheit. So wurde in Kürzell der »Pelzacker«, immerhin eine Fläche von 45 ar, um einen Pelz verkauft, andere Grundstücke wechselten für einen Laib Brot den Besitzer. Nur ganz allmählich stellte sich Wohlstand ein, was vor allem durch den Bau der Schule 1876 und des Rathauses im Jahr 1901 deutlich wurde.

Auch die Einwohnerzahl stieg kräftig an. Mit Fortschreiten der Industrialisierung gab es auch Veränderungen in der sozialen Struktur. Dennoch blieb Kürzell, wie von je her und bis zum heutigen Tag, ein Dorf mit überwiegend bäuerlichem Gepräge.

Von alters her stand im Ried die Pferdezucht hoch in Blüte. Vor allem Kürzell wurde durch die Hengststation mit ihren prachtvollen Zuchtpferden im weiten Umkreis bekannt. In Kürzell befindet sich auch die älteste urkundlich im Ried nachgewiesene Schmiede, die erstmals 1363 erwähnt wird.

Nach dem Krieg wurde die Entwicklung Kürzells durch den Bau des Militärflugplatzes und den Bau der Autobahn A 5 stark beeinträchtigt. Dennoch wurde 1962 die evangelische Kirche erbaut, 1968 schloss sich der Neubau der Grund- und Hauptschule und 1974 der Neubau der Mehrzweckhalle und später des katholischen Kindergartens an.

Attraktive Neubaugebiete wurden geschaffen und eine rege Bautätigkeit setzte ein. Bei der Bevölkerung ist eine starke Ortsverbundenheit spürbar und durch die vielen Vereine ist ein ausgeprägtes Gemeinschaftsleben gegeben.

Jubiläumsfilm

Was macht Meißenheim und unser Dorfleben aus? Wer sind die Einwohnerinnen und Einwohner unseres Ortes? Während des Jahres 2017 soll - und das gerade nicht nur zu den Veranstaltungsterminen, sondern über das ganze Jahr hinweg - ein Film gedreht werden, um Sie und unser Dorfleben für die Nachwelt festzuhalten. Lachen Sie in die Kamera, wenn sie zufällig vor Ihnen auftaucht und seien Sie so, wie Sie sind. Im Frühjahr 2018 wird der Film bei einem Kinoabend in der Festhalle gezeigt und wir lassen das Jahr 2017 Revue passieren.
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